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Lundi 13 août 2007 1 13 /08 /Août /2007 23:44

Liebes Brautpaar, liebe Hochzeitsgemeinde,

versuchen Sie einmal, sich ihr Lieblingsinstrument vorzustellen. Bei manchen wird es eine Flöte, Klavier, Geige, eine Trompete oder ein Schlagzeug sein. Wenn sie an es denken, dann fällt ihnen sicher nicht nur die Form ein, sondern auch der Klang. Und es sind wohl auch eher die Melodien, die ihnen im Ohr klingen, die leicht und flüssig gespielt worden sind. So wie hier in der Kirche unser Organist für die Zuhörer ohne Mühe und fehlerlos spielt. Aber jeder, der selbst ein Instrument gelernt hat, weiß, wie viel Mühe und Arbeit dahinter steckt, dasselbe zu erlernen und sich mit jedem Üben Fortschritte im Spielen einstellen. Bis die Finger geläufig genug sind, um anspruchsvolle Literatur spielen zu können, dauert es manchmal Jahre. In dieser Zeit des Übens kommt es, wie ich finde darauf an, daß man die Freude und Unbeschwertheit am Instrument nicht verliert. Daß sich eine enge Beziehung ergibt und man bei manchen Stücken sogar eins wird mit seinem Instrument.

Vergleichbar mit dem Lernprozeß eines Musikinstrumentes ist das Hineinwachsen in eine Beziehung. Rilke hat das einmal in einem Brief so formuliert:

Liebhaben von Mensch zu Mensch: das ist vielleicht das Schwerste, was uns aufgegeben ist, das Äußerste, die letzte Probe und Prüfung, die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.

 

Darum können junge Menschen, die Anfänger in allem sind, die Liebe noch nicht: sie müssen sie lernen. Mit dem ganzen Wesen, mit allen Kräften, versammelt um ihr einsames, banges, aufwärts schlagendes Herz, müssen sie lieben lernen.

 

Lernzeit aber ist immer eine lange, abgeschlossene Zeit, und so ist Lieben für lange hinaus und weit ins Leben hinein-: Einsamkeit, gesteigertes und vertieftes Alleinsein für den, der liebt. Lieben ist zunächst nichts, was aufgehen, hingeben und sich mit einem Zweiten vereinen heißt (denn was wäre eine Vereinigung von Ungeklärtem und Unfertigem, noch Ungeordnetem-?), es  ist ein erhabener Anlaß für den einzelnen, zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden für sich um eines anderen willen, es ist ein großer, unbescheidener Anspruch an ihn, etwas was ihn auserwählt und zu Weitem beruft. ( R.M. Rilke: Briefe an einen jungen Dichter, 14. Mai 1904).

Das klingt sehr schwer. Und ich vermisse ein wenig die Leichtigkeit, das Unbeschwerte und Verzaubernde der Liebe. Denn die Liebe lässt einen das Leben ja leichter erleben. Aber gleichzeitig hat Rilke natürlich recht damit, daß man zunächst in die Liebe hineinwachsen muß. Am Anfang müssen sich zwei Menschen erst entdecken. Ähnlich wie bei einem Instrument: Ich muß das zu mir passende finden, sonst macht mir das Erlernen und Üben keinen Freude. Wenn ich dann einen Menschen kennenlerne, der für mich interessant ist, verbringe ich mehr und mehr Zeit mit ihm. Auch bei ihnen beiden hat sich das so ergeben. Nachdem sie sich durch einen Freund in einer Creperie in Paris im November 2000 kennengelernt hatten, war das Interesse geweckt und sie trafen sich nun öfter. Für Michael war es eigentlich gar nicht an der Tagesordnung eine neue Beziehung aufzubauen, aber wie das manchmal so ist, kommt es anders als man denkt. Als sie beiden sich sicher waren, daß sie nicht nur freundschaftlichen Kontakt pflegen wollten, kamen sie Anfang 2001 zusammen und haben sich seitdem auch nicht mehr getrennt. Zunächst lebten sie beide in Paris, sind dann 2003 nach Annemasse bei Genf aus beruflichen Gründen gezogen, wobei für sie beide klar war, keine Fernbeziehung führen zu wollen. Bereits Ende Oktober ging es dann hier nach Deutschland, zunächst nach Ingelheim, wenige Wochen später fanden sie hier in Gonsenheim einen Ort, an dem sie wohnen wollten.

In den sieben Jahren, die sie sich jetzt kennen, habe sie sich nicht nur als zwei unterschiedliche Menschen kennenlernen müssen. Sie verbinden zudem die französische mit der deutschen Kultur. Dazu gehören auch die unterschiedlichen Konfessionen, denen sie angehören. Deutlicher als bei den Konfessionen treten die Unterschiede in ihren Kulturen hervor. Die unterschiedlichen Erziehungsziele von Deutschen und Franzosen machen es ihnen im Alltag nicht immer leicht, schwerer zumindest als bei Paaren derselben Nation. Da geht es um so alltägliche Dinge, wie Wasser zum Trinken zu holen. In Deutschland wird das sehr direkt, in Frankreich eher in Andeutungen formuliert. Zu lernen, daß manche Formulierung beim anderen Befremden auslösen, weil er es von zu Hause anders gewöhnt ist, wird sicher ihr gemeinsames Leben begleiten, wenn gleich sich diese Mißverständnisse sicher abschwächen werden. So wie man bei einem Instrument manche Fehler nur einmal macht oder durch Üben auf Dauer abbaut.

Als wir uns in unseren Treffen besprachen, wurde sehr deutlich, wie reflektiert sie an die Liebe und ihre Beziehung herangehen. Ich kann mir vorstellen, daß das auch damit zusammenhängt, das sie sich über vieles intensiver austauschen müssen als Paare mit derselben Muttersprache. Der Zauber der Liebe, das Sich-darauf-einlassen und sich darin Fallenlassen-können,  geht dabei hoffentlich nicht unter.

In einem Text, der ihnen beiden wichtig ist, heißt es: Die Perspektive des Ehelebens ist die Aufforderung, gemeinsam zu entdecken, daß die Liebe nicht eine rätselhafte Anziehungskraft ist, unwiderstehlich und flüchtig, sondern die Einwilligung, den ganzen Lebensweg zu zweit zu gehen, um sich gegenseitiges geben und nehmen beizubringen. (Jean Claude Sagne, L´homme et la femme dans le champ de de la parole, 1995). Darin wird das Erarbeiten der Liebe hervorgehoben, aber es wird auch auf das Entdecken der Liebe hingewiesen. Liebe versteckt sich manchmal in Dingen, in denen man sie nicht vermutet. Wenn ich auf meiner Geige ein Stück von Alban Berg lernen musste, brauchte es sehr lange und viel Überwindung, um den einzigartigen Klang dieser Musik entdecken und hören zu können. Dann aber ging sie mir leicht von den Fingern und wurde zu einem Lieblingsstück.

Sehen sie in ihrer Liebe nicht nur das, was sie sich erarbeiten müssen, lassen sie  sich auf diese Entdeckungsreise ein und genießen sie das Wunder der Liebe. Die Geburt ihres Sohnes Maxim ein solches Wunder der Liebe und man sieht es ihrem Strahlen an, das sie ihn als etwas ganz besonderes empfinden, wenn er über die Couch klettert oder sie anlacht.

Lassen sie sich von Gott an die Hand nehmen, wie von einem guten Instrumentallehrer und sich das Wunder der Liebe auf seine Weise zeigen. Er wird ihnen die nötige Portion Gelassenheit und Leichtigkeit, Ernsthaftigkeit und  Reflexivität schenken. Er begleitet sie auf ihrem gemeinsamen Weg und ich bin mir sicher, so werden sie auch ihrem ausgewählten Trauspruch aus dem Kolosserbrief gerecht: Vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vervollkommnet. Amen.

 

 

Par Bérangère & Michael - Publié dans : Das Programm vor und nach der Hochzeit
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